BERICHT / RELATÓRIO

 

 

Moskauer Medienkongress 2000

Internet: Konzeptionen – Perspektiven

 Marco Aurelio Schaumloeffel*

 

Vom 18.01 bis zum 22.01.2000 war ich im -22°C kalten Moskau auf dem „Moskauer Medienkongress 2000“, der vom Goethe-Institut zusammen mit der Russischen Universität für Völkerfreundschaft, dem Bildungsministerium der Russischen Föderation und der UNESCO organisiert wurde.

 Die wichtigsten Ziele des Medienkongresses waren Konzepte zu diskutieren und Perspektiven zu entwickeln, die es ermöglichen, von neuen Medien effektiv zu profitieren und sie sinnvoll einzusetzen. Etwa 230 Referenten aus 26 Ländern stellten sich der Diskussion mit etwa 1200 Kongressteilnehmern. So konnte ich sowohl Kollegen aus Irland und Sibirien als auch aus dem „naheliegenden“ Chile treffen. Die Kontakte und die Freundschaften, die sich in den Pausen gebildet haben, waren sehr wichtig, denn so konnte ich erfahren,  wie und warum man in anderen Ländern Computer und Internet im Unterricht einsetzt. Ein Ergebnis des Treffens ist ein gemeinsames Projekt mit einem polnischen Kollegen. Unsere Klassen werden demnächst eine Kettengeschichte per E-Mail schreiben. Da es eine derart große Veranstaltung war, hat man die Diskussionsbereiche in vier Sektionen aufgeteilt:

- Lernen / Bildung

Untersektionen: Lernmöglichkeiten des Internets, Informatisierung der geisteswissenschaftlichen Bildung und digitale Lehrbücher, Internet: pro et contra, Internet und Fremdsprachenunterricht

- Wirtschaft

- Kunst / Ästhetik

- Bibliothekswesen


Im Speziellen wurde auf dem Kongress Gewicht darauf gelegt, einen Überblick zu gewinnen, was im Bereich der neuen Medien weltweit unternommen wird. Wer sich für diesen im DaF-Unterricht immer aktueller werdenden Bereich interessieren sollte, kann die CD-ROM mit der Dokumentation des Kongresses beim Goethe-Institut Moskau http://www.goethe.de/moskau Anfordern. Auf dieser CD-ROM sind alle Kongressbeiträge dokumentiert. Sie enthält Vorträge, Referate, Workshops und Präsentationen in voller Länge und entsprechender Sprache. So kann sich jedermann auch nachträglich, ohne die mörderische Kälte Moskaus spüren zu müssen, virtuell am Kongress beteiligen.

Mit meinem eigenen Beitrag, dem Workshop „Internet im Fremdsprachenunterricht – pädagogische und didaktische Ansätze“ habe ich mit den Teilnehmern diskutiert, wie man sinnvoll Computer und Internet im Fremdsprachenunterricht einsetzen könnte. Es gab auch für mich viele neue Anregungen. Der Workshop mit zahlreichen Links und Tipps ist im Internet unter der Adresse http://www.schaumloeffel.net abrufbar.

Computer, Internet und autonomes Lernen sind Stichwörter, die unbedingt in den Vordergrund der Diskussionen auch auf unseren Seminaren und Kongressen rücken sollten, denn sie sind für den DaF-Lehrer unabdinglich geworden. Der Computer und das Internet sind m. E. geeignete Medien für die neue pädagogische und didaktische Realität, die auf uns zukommt. Die Informatik wird unaufhaltbar zu einer Realität unseres Alltags. Unter „unseres Alltags“ meine ich den der Schulen, denn in den meisten Bereichen wie z.B. in der Industrie und in der Dienstleistung ist es schon conditio sine qua non. Die Zeiten der Wissensvermittler und des lehrerzentrierten Unterrichts sind vorbei. Wir erleben im Moment einen Paradigmenwechsel: „weg vom instruktionalen Paradigma hin zu einem Ansatz, der den Lerner selbst und seine individuellen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt“ (Breindl, Eva. DaF goes Internet! Neue Entwicklungen in Deutsch als Fremdsprache. Erschienen in: Deutsche Sprache 4/1997, S. 289-342).

 

* Marco Aurelio Schaumloeffel ist Deutschlehrer am Goethe-Institut und an der Schweizerschule in Curitiba, Webmaster der ABRAPA-Seite und Mitglied der APPLA/PR

E-Mail: marco@schaumloeffel.net